Märklin Spur 00
Opas Weihnachtseisenbahn

Spielzeugbahn wie vor einem halben Jahrhundert

Um der am häufigsten gestellten Frage vorab vorzubeugen: Nein, dies ist keine Leihgabe der Firma Märklin, sondern das gesamte Material befindet sich in Privatbesitz.

Angefangen hat es mit einem sechsjährigen Bub, der, 1947 nach seinem Weihnachtswunsch gefragt, schüchtern einen "elektrischen Eisenbahnkatalog" wollte. Sein Vater, ein praktisch veranlagter Mann, kaufte ihm zu Weihnachten dann doch lieber eine Zugpackung einer elektrischen Eisenbahn für insgesamt 250 Reichsmark. Da die Reichsmark aber gerade als Altpapier mehr wert war denn als Geldschein, wurde die Bezahlung in Schinkenwurst und ähnlichen handfesten Werten geleistet.



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Gesamtansicht der historischen Märklin-Anlage
Foto: Klaus Füller
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Das Krokodil CCS 800 und die englische E 800 LMS
Foto: Klaus-Peter Eidenhart

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Die Triebwagen 3025, DL 800 g und DT 800
Foto: Klaus Füller

Zum damaligen Zeitpunkt wurde bei einer Modellbahn das Hauptaugenmerk eher auf den Fahrbetrieb als auf die Geländegestaltung gelegt. Es gab zwar schon einige Möglichkeiten, Gelände mehr oder minder modellgetreu zu gestalten, jedoch war zur Zeit der Währungsreform das Geld eher knapp bemessen. Man beschränkte sich deshalb auf Gleise und rollendes Material, das dann auf einer großen Platte zu einer Bahn zusammengebaut wurde. Die restlichen Zubehörteile für den "echten" Bahnbetrieb organisierte man sich dann mit Hilfe kindlicher Phantasie. Ab 1949 wurden von Märklin auch Brücken angeboten, die für große Brückenbauten geeignet waren. Aus Platzmangel haben wir jedoch hier noch darauf verzichtet.

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SK 800 in blauer Sonderlackierung
Foto: Klaus Füller

Diese Eisenbahn zeigt, wie eine Modellbahn aus der Zeit ausgesehen hat, als Deutschland noch am Anfang des Wirtschaftswunders stand, die Zeiten schwer waren und die meisten Dinge des täglichen Bedarfs noch auf Marken gekauft werden mussten. Ab 1949 wurden von Märklin auch Brücken angeboten, die für große Brückenbauten geeignet waren. Aus Platzmangel haben wir jedoch hier noch darauf verzichtet.


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Mit 17 Gussgüterwagen wird eine DL 800 locker fertig
Foto: Klaus Füller

Das rollende Material der Anlage stammt aus der Zeit zwischen 1947 und 1956. Die modernsten Teile auf der Anlage sind hier die braune Doppellokomotive DL 800 von 1954 und die erste Variante der bekannten Krokodil-Lokomotive 3015 von 1956. Die Gussgüterwagen waren bereits 1955 alle aus dem Märklinprogramm verschwunden. Der älteste Wagen stammt aus dem Jahr 1947.

Der Bahnhof trägt auf der Unterseite einen Stempel des Herstellers Kibri (Made in US-Zone Germany) und ist aus dem Jahr 1946. Einzig die Häuschen sind aus der Zeit zwischen 1951 und 1960. Sie sind insofern bemerkenswert, als die Wände noch aus stabilem Pappkarton bestehen, der mit eingefärbtem Grieß eine Art Rauputz erhielt, während die Dachplatten bereits den Siegeszug der neuen Fertigungstechnik des Kunststoffspritzgusses einläuten.

Bei den Gleisen handelt es sich um Märklin-Gleise mit durchgehendem Mittelleiter aus den Jahren zwischen 1948 und 1956. Diese Gleise wurden bereits im Katalog von 1947 als "Modellgleise" angeboten, kamen jedoch erst ein Jahr später auf den Markt. Bis dahin wurden noch Gleise mit dem alten Gleiskörper der Vorkriegsgleise verwendet, die man am weiteren Schwellenabstand erkennt und die - schließlich lackierte man nach dem Krieg erst einmal mit allem, was bunt macht - zum Teil violette, nicht einmal wasserfeste Lackierungen hatten.


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Trix-Express Spur 00 Anlage
Wer hat's erfunden?

Um die Frage zu beantworten, wer es erfunden hat: nein, nicht die Schweizer. Und auch nicht die Göppinger. Im März 1935, also noch vor Vorstellung der Märklin-Eisenbahn in der Spurweite 00 im Herbst 1935 wurde von Trix die Trix Express Eisenbahn auf der Leipziger Frühjahrsmesse in der sog. Spur 00 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Nürnberger Spielwarenhersteller hat von Anfang an das Dreileiter-Gleis-System auf einen isolierten Böschungskörper aus Bakelit gesetzt und ermöglichte durch die drei voneinander isolierten Schienen als erster Hersteller einen unabhängigen Zweizugbetrieb auf einem Gleis. Die hier präsentierte Trix-Anlage (300 x 110 cm) gibt einen Einblick in das Eisenbahnspielen dieser Epoche.



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Trix Triebwagen 20/58 im Bahnhof
Foto: Dr. Michael Linnenbach
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TTR Dampflokomotiven für den englischen Markt
Foto: Dr. Michael Linnenbach
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Trix Lokparade, vorne das Markenzeichen von Trix: 20/56
Foto: Dr. Michael Linnenbach

Auf Original Trix Bakelitgleisen laufen sowohl Trix Express und Trix-Twin-Railway-Züge (TTR) aus der Vorkriegszeit (Wechselstromlokomotiven der Seriennummern 20/52 bis 20/58) als auch aus der Nachkriegszeit (Gleichstromlokomotiven der Seriennummern 752 bis 794) bis in die Anfänge der 1960er Jahre. Das gesamte rollende Material sowie das auf der Anlage installierte Zubehör bestehen aus Guss, lithographiertem Weißblech sowie aus Holz.

Die heute schon als historisch eingestuften Lokomotiven, Wagen und Gleise sowie die dazu passenden Gebäude und Signale wurden im Laufe einer ca. 10-jährigen Sammeltätigkeit aus dem In- und Ausland zusammengetragen.

Die gezeigte Anlage entspricht in ihrer Gesamtheit einer Tischeisenbahn, wie sie in den Wohnstuben der 1940er bis 1950er Jahre an Weihnachten häufiger zu finden war. Sicherlich war damals die Firma Märklin auch im Spur 00-Bereich bereits gut verbreitet, was vermutlich vor allem an dem weniger vorbildfernen Böschungskörper mit weniger klobigen Schienen der Märklin-Eisenbahnen lag. Aber für eine gewisse Zeit verfügte das Trix-Express-System über eine große Anhängerschar.


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Spur H0 Anlage mit Echtdampfbetrieb
Volldampf auf 16,5 mm Spurweite

Die Anlage wurde mit Märklin M-Gleisen auf einer Fläche von 250 x 80 cm angelegt und verfügt über eine Hochstrecke mit Bogenbrücke, die über eine Rampe mit 10 Steigung erreicht wird. Die Anlage ist teilweise mit Bäumen und Bahnschuppen bestückt. 10 Weichen, eine Umkehrschleife mit doppelter Kreuzungsweiche und ausgedehnter Paradestrecke erlauben einen abwechslungsreichen Fahrbetrieb. Selbst der kleinste Radius von 286 mm ist auch mit Dampflok befahrbar. Aus Sicherheitsgründen - immerhin heizen hier Spiritusbrenner Wasser auf weit über 100 Grad auf - befinden sich an den Aussenseiten der Kurven Führungsschienen.



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Anlagenübersicht Echtdampfanlage Spur H0
Foto: Klaus-Peter Eidenhart
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Eigenbau-Dampfloks (Baujahr 2000) mit Spiritusheizung
Fahrzeit 8 - 12 min.
Foto: Olaf 2007
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Echtdampflok in Uhrmacherpräzision
Foto: Klaus-Peter Eidenhart

Lokdaten: 2 Zylinder, doppeltwirkend, Kolbendurchmesser x Hub: 8 x 6,5 mm, Rundschiebersteuerung.

Lokabmessungen: L x B x H 150 x 36 x 60 mm.

Ausrüstung: teilweise mit Manometer, automatischer Pfeifensteuerung, automatischer Stoppsteuerung.

Optionen: Dampfventil fein gesteuert über Faulhaber - Minigetriebemotor, Lok für automatische Vor- und Rückwärtsfahrt eingerichtet, Lok mit Bypass-Steuerung für die Fahrt auf der Hochstrecke.


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